Living Room
Häufig gestellte Fragen
- Wer sind Sie?
- Mein Name ist Nikolai Zimbal. Im Juni 1989 lernte ich Kurt A. Körber als Teilnehmer des Körber Kollegs persönlich kennen. Dieses Programm hatte er für junge sowjetische Ingenieure zur Managementausbildung ins Leben gerufen. In der Villa Hammerschmidt in Bonn, dem damaligen Amtssitz des Bundespräsidenten, trafen wir Kurt A. Körber gemeinsam mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und dem Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, um das Körber Kolleg vorzustellen.
- Welches besondere Ereignis verbinden Sie mit Kurt A. Körber?
- Das besondere Ereignis fand im Juli 1989 in der Villa Hammerschmidt in Bonn statt. Wir Teilnehmer des Körber Kollegs trafen dort Kurt A. Körber. Vor Beginn der offiziellen Veranstaltung erklärte man uns das Protokoll, unter anderem aus welcher Richtung die Autos der Politiker kommen und wo sie aussteigen würden. Während wir auf den Beginn warteten, kam ein gut aussehender Mann mit grauem Haar zu uns und begrüßte Kurt A. Körber herzlich. Kurt A. Körber sagte zu ihm: "Herr von Weizsäcker, heute haben wir schönes Wetter." Herr von Weizsäcker antwortete: "Ja, die Sonne geht im Osten auf", und zeigte in die Richtung, aus der die Autos kommen sollten. Damit bezog er sich einerseits auf Gorbatschow aus dem Osten und andererseits auf die Richtung der ankommenden Fahrzeuge. An dieses Ereignis erinnere ich mich bis heute gut. Es war meine erste Begegnung mit Kurt A. Körber und dem ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.
- Wie würden Sie Kurt A. Körber beschreiben?
- Für mich war Kurt A. Körber ein Vorbild als Unternehmer, der sich nicht allein auf den Erfolg seines Unternehmens konzentrierte. Er interessierte sich sehr für das öffentliche Leben und die Gesellschaft. Er war lebhaft, wissbegierig und über fast alles informiert. Uns Teilnehmer des Körber Kollegs fragte er, woher wir kamen, und zeigte Interesse an den Entwicklungen in unseren Ländern und Familien. Kurt A. Körber war ein lebhafter Mensch, der seine Verantwortung für die Gesellschaft stets erkannte und betonte.
- Wo sind wir hier?
- Wir befinden uns in dem Haus, in dem Kurt A. Körber bis zu seinem Tod in Hamburg wohnte. In diesem Haus lebte er zusammen mit seiner Frau Anni. Kurt A. Körber hat hier nicht nur gearbeitet, sondern ist auch verschiedenen Hobbies wie der Malerei nachgegangen. Heute ist die Körber-Stiftung Eigentümerin des Hauses. Es wird gelegentlich als Veranstaltungsort für besondere Anlässe wie Kundenveranstaltungen oder Aufsichtsratssitzungen genutzt.
- Wer war Kurt A. Körber?
- Das ist eine schwierige Frage - oder sagen wir besser: Es ist eine lange Antwort. Aber ich werde versuchen, alles Wichtige für Dich zusammenzufassen: Kurt A. Körber ist der Gründer des Körber-Konzerns und der Körber-Stiftung. Er wurde 1909 in Berlin geboren. Schon als Kind interessierte er sich für Technik. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren meldete er sein erstes Patent an. Im Laufe seines Lebens meldete er noch mehr als 200 weitere Patente an. Im Jahr 1946 zog Kurt nach Hamburg und gründete die Hauni Maschinenfabrik. Zu den ersten Aufgaben zählte das Reparieren schrottreifer Zigarettenmaschinen - später begann er, eigene Maschinen zu entwickeln um zum Erfolg der Kunden in der ganzen Welt beizutragen. Schon früh wurde Kurt A. Körber auch außerhalb seines Gründungsgeschäfts aktiv. Mit dem Zukauf neuer Unternehmen begann der Konzern kontinuierlich zu wachsen und auf langfristigen, nachhaltigen Erfolg zu setzen. Alle Unternehmen des Körber-Konzerns (einschließlich der Hauni-Werke) wurden 1987 unter der Körber AG zusammengeführt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1992 hatte Kurt A. Körber sein Unternehmen zu einer global agierenden Organisation mit fast 6.800 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,5 Milliarden D-Mark (heute ca. 770 Mio. Euro) entwickelt.
- Was ist Deine Lieblings- anekdote über Kurt A. Körber?
- Sehe ich etwa so alt aus, dass Du glaubst, ich hätte Kurt A. Körber persönlich gekannt? Kleiner Scherz da ich viele Gespräche mit einigen Zeitzeugen geführt habe, sind mir viele interessante Geschichten zu Ohren gekommen. Meine Lieblingsgeschichte erzähle ich Dir jetzt. Ende der 1970er Jahre war die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt sehr schwierig: Es fehlte an Lehrstellen. Die Politik forderte daraufhin die Unternehmen auf, mehr auszubilden. Kurt A. Körber fühlte sich angesprochen und wurde aktiv. Er kam auf die innovative Idee, fünf kleine Heißluftballons in den Himmel steigen zu lassen. Den Findern der Ballons wurde ein Ausbildungsplatz zugesichert. Gesagt, getan: Vier Finder wurden erfolgreich ausgebildet und der fünfte wurde nach einer Einarbeitungszeit von Hauni eingestellt.
- Welche Gäste konnte Kurt A. Körber hier begrüßen?
- Kurt A. Körber kannte so viele Menschen - wo soll ich bloß anfangen? Einer der Gäste, den Du möglicherweise kennst, ist der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt, der ein sehr enger Freund von Kurt A. Körber war. Aber natürlich hat er auch viele Mitarbeiter zu sich nach Hause eingeladen. Mit einigen von ihnen kannst Du in diesem Raum sprechen.
- Wann hat Kurt A. Körber die Körber-Stiftung gegründet?
- Im Jahr 1959 stand Deutschland vor einem Bildungsdefizit. Zu dieser Zeit war Kurt A. Körber - wie viele andere auch - davon überzeugt, dass ein Versagen des Bildungssystems die Gesellschaft gefährden würde. Deshalb wollte er zu einer nachhaltigen Lösung beitragen und gründete die Kurt A. Körber-Stiftung. Mit dem Zuschuss von 6,6 Millionen Mark (das entspricht heute ca. 3,4 Millionen Euro) schuf die Stiftung die Grundlage für die Gründung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg-Bergedorf. Auf Kurt A. Körbers Anregung hin bildete die Fachhochschule erstmals in Deutschland Bioingenieure aus. Im Jahr 1969 gründete Kurt A. Körber eine zweite Stiftung: die Hauni-Stiftung. Dabei verpflichtete er sich selbst und Hauni als Unternehmen, kontinuierlich einen Teil des Unternehmensgewinns zu spenden. Damit schuf Kurt A. Körber die finanzielle Basis für ein breiteres Engagement für Projekte, die der Gesellschaft zugutekommen sollten. 1981 wurden die beiden Stiftungen zur Körber-Stiftung zusammengeführt, die heute mit ihren vielfältigen Projekten, Kooperationen und Veranstaltungen national und international tätig ist.
- Warum war es für Kurt A. Körber wichtig, Stifter zu sein?
- Stifter zu sein, bedeutete für Kurt A. Körber, aktiv und unabhängig zu handeln. Er sah sich als Anstifter, der selbst etwas beginnen und verantwortungsvoll betreiben wollte. Einer seiner wichtigsten Grundsätze war: Morgens verdiene ich das Geld mit meinem Unternehmen, nachmittags gebe ich mit der Stiftung wieder etwas an die Gesellschaft zurück.
- Was war für Kurt A. Körber als Unternehmer und Stifter wichtig?
- Seine Überzeugung, dass Unternehmertum mit der Verantwortung des einzelnen Unternehmers gegenüber der Gesellschaft verbunden ist, hat Kurt A. Körber in seinem Testament festgelegt. Die Grundprinzipien aus seinem Testament gelten bis heute gleichermaßen für den Körber-Konzern und die Körber-Stiftung. Sie verdeutlichen auch sein Ziel, dass der Körber-Konzern und die Körber-Stiftung ihre erfolgreiche Arbeit für die Ewigkeit fortsetzen und dabei ihre jeweilige Unabhängigkeit bewahren. Die Körber-Grundsätze sind: Punkt 1: Die Körber-Stiftung ist alleinige Gesellschafterin und Eigentümerin des Körber-Konzerns. Der Körber-Konzern hat damit eine verlässliche Aktionärin, die auf Langfristigkeit sowie nachhaltiges Wachstum ausgerichtet ist. Punkt 2: Die Körber-Stiftung erhält für ihre gemeinnützige operative Arbeit eine verlässliche Dividende aus den Erträgen des Körber-Konzerns. Punkt 3: Beide Organisationen verfolgen das Interesse, dass der Körber-Konzern nachhaltig Erträge erwirtschaftet, stabil wächst und seine Aktivitäten ausbaut, um die gemeinnützigen Aktivitäten der Stiftung zu sichern.
- Sind der Körber-Konzern und die Körber-Stiftung mitein- ander verbunden?
- Ja. Der Körber-Konzern und die Körber-Stiftung sind wirtschaftlich unmittelbar miteinander verbunden. Die Körber-Stiftung ist die alleinige Eigentümerin des Körber-Konzerns. Dabei war es Kurt A. Körber wichtig, dass beide Organisationen trotz ihrer gemeinsamen Wurzeln in ihren jeweiligen Bereichen völlig eigenständig agieren.